Verdrängung

„Wie konnte ich nur überleben, – all die Jahre“, wurde ich unlängst von einem Klienten gefragt. Er wollte aber keine Antwort von mir, sondern wirkte innengekehrt, in einem stillen Selbstdialog. Nach einigen Minuten schaute er mich an und sagte: „ Nein, ich habe mir nichts vorgemacht, ich habe es einfach nicht mehr gewusst. Jetzt erst ist es mir Stück für Stück wieder eingefallen.“ Langes Schweigen. „ Es ist so ungeheuerlich, dass es einen Teil in mir gibt, der es immer noch nicht fassen kann.“ Was war geschehen? – Erlebnisfragmente waren in der Trance aufgetaucht. Augenblicke tiefen Verlassen sein in der Kindheit wurden wiedererinnert. Auch die nagenden Ängste die damit verbunden waren und die Quelle des Schmerzes, die bis in das Erwachsenenalter nicht mehr versiegen wollte. Ja, sogar noch stärker sprudelte als jemals zuvor. Wie ist so etwas möglich? Menschen die sich scheinbar an nichts mehr erinnern, versuchen unangenehme Ereignisse zu verdrängen. Diese Verdrängung kann so weit gehen, dass die betreffende Person eine regelrechte Gedächtnisblockade aufweist. Ein Mann welcher in seiner Kindheit und Jugend schwer misshandelt wurde, jedoch die betreffenden Personen, häufig aus dem familiären Umfeld, niemals zur Rede gestellt hat und auch keine psychologischen Hilfe in Anspruch nehmen will, weil er meint „es sei ja nicht so schlimm“, weist dieses Phänomen auf. Verdrängung kann eine Zeit lang ein sehr nützlicher Abwehrmechanismus sein, weil er die Person schützt, sich nicht ständig mit unangenehmen Ereignissen auseinander zu setzen. Allerdings kann Verdrängung langfristig […]

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